JU’S 3 QUESTIONS OF THE MONTH

  1. Wie erlebst du die ‚Zeiten von Corona‘ in dir selbst, in deinem Land, auf dem Planeten?
  2. Was sind deine Stärken und wo leistest du deinen Beitrag auf dieser Welt? Wo möchtest du deinen Beitrag in Zukunft leisten? Wer könnte in deinem Team sein?
  3. Was bedeutet Spiritualität für dich in deinem Alltag und im Allgemeinen?

Für meinen ersten Blogartikel habe ich folgende drei Personen interviewt:

  1. Shira Moriel Singer 🇮🇹🇳🇱🇮🇱🇦🇹
  2. Lisa Paglietti 🇮🇹🇬🇧
  3. Klaus Schneider 🇦🇹🇪🇬🇸🇦🇰🇪🇹🇭

Interview 1, 13.April 2020

Shira Moriel Singer 🇮🇹🇳🇱🇮🇱🇦🇹 und ich sind einander 2006 in Wien begegnet. Zusammen mit ihrem 2015 verstorbenen Ehemann Gideon Singer (* 29. Juni 1926 in Brünn, † 11. Mai 2015 in Tel Aviv, er war israelisch – österreichischer Schauspieler ) waren wir 9 Jahre in sehr herzlicher und bereichernder Nachbarschaft verbunden. Shira lebt heute in Israel, hat als Kind in Holland und Italien gelebt und war 28 Jahre in Wien.

Ich schätze Shiras wunderbare Kreativität und ihr Talent, sich sehr rasch mit neuen Gegebenheiten zu arrangieren.

Antwort 1

Einerseits ist es sehr entspannend. In Israel leben, vor allem in Tel Aviv, kann ziemlich stressig sein. Das Leben bewegt sich im rasanten Tempo, es gibt viele Autos auf den Straßen, die Menschen sind nicht zu höflich. Das Virus hat uns gezwungen, für einen Augenblick zum Stillstand zu kommen, zu reflektieren, zu entschleunigen. Jetzt gibt es wenig Straßenverkehr, man hört die Vögel wieder zwitschern. Sogar die Natur ist wieder zu Kräften gekommen. Andererseits steht die Wirtschaft vor dem Kollaps und die Zukunft bleibt sehr ungewiss. Ich bleibe ruhig, da wir daran eigentlich nichts verändern können. Zu sehr darüber nachzudenken und sich Sorgen zu machen würde nichts bringen. Also genieße ich die Stille, die wunderbare Zeit zu Hause mit meinen Haustieren. Global gesehen bekommt die Menschheit die Chance, ihre Taten, Werte und ihre aktuelle Lage neu zu überlegen.

Antwort 2

Meine Stärken liegen darin, mit Heilenergien zu arbeiten und mit dem Höheren Selbst, mit Tieren und mit höheren Wesen zu kommunizieren. Licht in die Welt verbreiten, Veränderungen in der Gesellschaft unterstützen, um mehr Respekt für die Natur und für die Tiere zu schaffen, andere für diese Themen sensibilisieren.

Das sind die Beiträge die andere Lichtarbeiter und ich leisten, nicht nur in Zukunft, sondern auch in der jetzigen Zeit.

Antwort 3

Spiritualität heißt, zu akzeptieren, dass alles mehrdimensional ist. Es ist die Einsicht, dass wir eigentlich kein lineares, sondern ein mehrdimensionales Leben führen. Es bedeutet, sein eigenes Bewusstsein und seine eigenen Gedanken zu erweitern und zu akzeptieren, dass es viel mehr gibt als das, was wir bis jetzt gekannt oder gelernt haben; es heißt auch, akzeptieren, dass, was wir bis jetzt gelernt haben, möglicherweise falsch ist.

In meinem Alltag kommuniziere ich mit Tieren, meditiere und verbinde mich mit meinem Höheren Selbst, ich kommuniziere mit höheren Wesen und vieles mehr.

Interview 2, 22.April 2020

Lisa Paglietti 🇮🇹🇬🇧 und ich haben einander 1998 an der Uni in London kennengelernt, als wir das Cambridge Certificate in Advanced Englisch gemacht haben. Wir sind bei der mündlichen Prüfung gemeinsam als Team angetreten. Seitdem verbindet uns eine herzliche Fernfreundschaft. Lisa lebt in Rom und arbeitet als Sozialökonomin bei der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, und reist somit in viele Länder – vom afrikanischen Kontinent über Zentralasien bis hin zu Osteuropa.

Ich bewundere Lisa für ihre Geradlinigkeit und dafür, dass sie sehr gut zuhören kann und sehr geerdet ist. Ich liebe es, mit ihr über Weltthemen zu diskutieren.

Antwort 1

Für mich persönlich war es eine Herausforderung. An einem Wochenende fand ich mich plötzlich in meiner eigenen Wohnung isoliert und Bewegungseinschränkungen ausgesetzt – raus durfte ich nur zur Deckung der notwendigen Grundbedürfnisse. Das hat mich tief erschüttert! Ich bin ein Mensch, der gerne an der frischen Luft ist, also musste ich einiges an meinem Leben zusammen mit meinem Freund in derselben Wohnung anpassen. Mit der Zeit habe ich das Schöne am Ausschlafen und am Fernbleiben von der negativen Dynamik im Büro und von den täglichen Stress-Faktoren (Verkehr, Lärm, lästige administrative Aufgaben) entdeckt.

Nun habe ich mehr Zeit für mich selbst und verwende die morgendlichen Stunden für meine Rituale: Yoga, etwas Reflexion und Meditation. Für meine Heimat und für die ganze Welt ist es auf jeden Fall ein Weckruf, da die übliche Art und Weise, Geschäfte zu machen, in Frage gestellt wird und wir uns ein neues Entwicklungsmodell ausdenken müssen.

Antwort 2

Ich bin ein ruhiger, organisierter Mensch, der gerne die Initiative ergreift und über soziale Kompetenz verfügt. Ich habe Projekte an unterschiedlichen Orten auf dieser Welt geleitet und das Jonglieren mit mehreren Tätigkeiten gleichzeitig braucht klare Vorgaben, Aufgeschlossenheit, die Geduld, den anderen zuzuhören und Anpassungsfähigkeit.
Meinen Beitrag möchte ich für die Stärkung der Frauen leisten. Ich möchte, dass sie Handlungsfreiheit und die Freiheit auf Eigeninitiative erhalten – nicht nur in Entwicklungsländern, wo ich arbeite, sondern auch in den westlichen Ländern, wo Machismo und patriarchale Haltungen nach wie vor ein Thema sind.

Antwort 3

Spiritualität heißt für mich persönliche Entwicklung und das Verstehen der tieferen Bedeutungen und Werten, die das Leben der Menschen prägen. Ich ziehe jeden Tag Bilanz und ich schaue mir an, wie ich mich fühle und wie ich mit den anderen interagiere. Die Ursprünge der Spiritualität lagen in den einzelnen Religionen, dann hat sich die Spiritualität entwickelt und umfasst jetzt viele Lebensbereiche: die Entwicklung des inneren Selbst, soziale Werte, religiöse Werte etc.

Interview 3, 16.04.2020

Die dritte Person ist Klaus Schneider 🇦🇹🇪🇬🇸🇦🇰🇪🇹🇭. Klaus ist in einem Ort im österreichischen Ennstal in der Steiermark aufgewachsen. Er hat als Bäckermeister und Unternehmer in Ägypten, Saudiarabien und 20 Jahre in Kenia gelebt und gearbeitet.

Er hat auch 2 Jahre lang auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet und  lebt heute mit seiner Frau und Familie in Thailand. Wir sind einander 1992 in Wien begegnet – als Gast meiner Mitbewohner wartete er damals auf sein Visum, um nach Saudi-Arabien zurückzukehren.

Ich habe ihn immer für seinen authentischen Lebensstil, für seine Art, seine Erfahrungen mit den anderen zu teilen, für seinen Humor und für seinen großartigen unternehmerischen Geist bewundert.

Antwort 1

In der Catering-Abteilung der Fluggesellschaft, bei der ich arbeite, bekommen meine Kollegen und ich nur noch 80% von unserem Gehalt und auf die Zahlung von sämtlichen Zuschlägen wurde bis auf Weiteres verzichtet. Mein Arbeitsverhältnis hier endet mit Ende April 2020. Das Unternehmen, das ich zusammen mit meiner Frau gegründet habe, heißt ATG (Austro Thai Gourmet Co Ltd) und beliefert britische internationale Schulen mit gebackenen Snacks, tiefgekühltem Teig und anderen Backwaren. Seit Mitte März haben wir ‘Ausnahmezustand’ und wir haben somit die Produktion bis Ende April eingestellt. Wir glauben aber, dass die Schulen bis zur ersten oder zweiten Mai-Woche wieder aufsperren werden. Wir brauchen diese zwei Monate vor den Sommerferien für unser Geschäft. Wenn alles nach Plan läuft, sind wir finanziell auf der sicheren Seite. 

Klaus sagt, er spürt persönlich keine Bedrohung seitens der Corona-Pandemie, denn er fühlt sich sehr fit.

Unseren Mitarbeitern bei der ATG Bakery haben wir im März ihr ganzes Gehalt bezahlt. Auch wenn wir im März nur 2 Wochen die Schulen beliefert haben, haben wir unserem Personal 80% des Gehalts bezahlt, die Bäckerei bleibt selbstverständlich den ganzen Monat zu. Wir werden uns überlegen, was wir im Mai tun werden, wenn die jetzige Situation sich nicht verändert.

Die thailändische Regierung hat angekündigt, dass sie die freigestellten Angestellten und die Unternehmen, die gezwungen wurden, zuzusperren, unterstützen wird, aber bis dato haben wir keinerlei Hilfe bekommen und ich erwarte auch keine.

Es kann sein und hoffentlich wird das auch zustande kommen, dass Staatschefs weltweit sich das Chaos in unserem heutigen Wirtschaftssystem neu überlegen. Es darf nicht mehr so weitergehen: Warum sollten 3-4 Milliardäre das Monopol haben, auf billigste Produktion in China zu setzen und dann diese Produkte um das Vielfache des Produktionspreises an Kunden auf der ganzen Welt verkaufen?

Klaus ist der Meinung, dass die jüngeren Generationen in z.B. China in Zukunft nicht mehr bereit sein werden, sich mit niedrigen Löhnen zufrieden zu geben. In diesem Zusammenhang könnte die Corona-Krise eine positive Veränderung in die Wege leiten.

Antwort 2

Wenn ich auf meine Zeit in Kenia zurückblicke, kann ich stolz sagen, dass ich meinen positiven Beitrag in der Gesellschaft als Unternehmer und Gründer von „Ennsvalley Bakery“ in vielfacher Weise geleistet habe. Als ich 1993 in Kenia angekommen bin, haben alle weißes Toastbrot oder weißes Baguette gegessen. Ich habe angefangen, Voll- und Mehrkornbrot herzustellen – zuerst im Hotel, wo ich angestellt war und ab 1996 in meinem eigenen Unternehmen.

Nach 14 Jahren habe ich das Unternehmen verkauft. Das „8-Korn Brot“ ist aber nach wie vor das meistverkaufte Qualitätsbrot in Nairobi. Ich habe Hundert Kenianer in Hygienestandards eingeschult, ein gesundes Frühstück für kenianische Athleten in Zusammenarbeit mit der kenianischen Regierung konzipiert.

Was ich als eine meiner Stärken betrachte ist, dass ich ständig auf der Suche nach neuen Wegen bereit bin, Risiken einzugehen; ich glaube, mein Unternehmergeist wurde mir in die Wiege gelegt. Ich liebe es, etwas Neues zu schaffen und ich kann klar erkennen, wo bei den anderen Verbesserungsbedarf besteht. In meinem Team habe ich am liebsten begeisterungsfähige Menschen, die das lieben, was sie tun.

Antwort 3

Als ich im Nahen Osten gearbeitet habe, waren meine Arbeitskollegen und meine damalige Freundin Muslime. Ich habe damals 2 Jahre in einer muslimischen Gesellschaft gelebt. Im Laufe meiner 40-jährigen Karriere habe ich mit unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Religionen in Teams gearbeitet und kein einziges Mal hatte ich ein Problem mit ihrem Glauben. Ich würde niemals jemandem sagen, woran er/sie glauben sollte.

Ich bin dankbar für meine christliche Erziehung, allerdings bin ich derzeit nicht praktizierend. Ich möchte, dass keine Kirche Menschen sagt, wie sie leben sollen, aber ich stimme zu, dass Religion als Wegweiser im Leben dienen kann. Zum Thema Gottesbeweis: da höre ich lieber den Wissenschaftlern zu ;-). Ich habe die Bibel und den Koran teilweise gelesen und jetzt lerne ich den buddhistischen Lebensstil hier in Thailand kennen.

Es gibt keine „endgültige Wahrheit“ – Leben und leben lassen.

#BetweenOceans2020