Eine einzige Meinung ist bequem. Komfort ist veränderungsfeindlich.
Fortschritt ist unangenehm, weil er den Komfort verändert. – Thomas Vato

Jetzt, wo in vielen Staaten der Welt zumindest für den Sommer eine gewisse ‘Normalität’ eingekehrt ist und zu beobachten und spüren ist, wie wir alle unsere (vor Corona-Zeiten) lieb gewonnene Komfortzone erneut entdecken und abstecken und am liebsten festhalten würden, stellt sich für mich die Frage, wie und wann ich selbst meine Komfortzone verlassen habe und was die seit Jahrzehnten populäre Modephrase ‘Verlassen Sie Ihre Komfortzone’ überhaupt bedeuten kann.

Brené Brown (US-amerikanische Autorin psychologischer Schriften) formuliert Komfortzone laut Wikipedia wie folgt:

„Wo unsere Unsicherheit, Knappheit und Verletzlichkeit minimiert werden – wo wir glauben, dass wir Zugang zu genug Liebe, Essen, Talent, Zeit und Bewunderung haben werden.“ Wo wir das Gefühl haben, etwas Kontrolle zu haben. Wenn wir in Zeiten sozialer, politischer oder finanzieller Instabilität geraten, werden unsere Komfortzonen kleiner. Je mehr Angst wir haben desto undurchdringlicher werden unsere Puffer für Komfortzonen.“
Für mich kann ich ganz klar erkennen, dass mein Empfinden des Verlassens der Komfortzone stets sehr situationsabhängig war und ist; da waren bewusst gewählte Abenteuer, die mich meine persönlichen Grenzen von Angst und Komfort überschreiten ließen, wie das Besteigen des Mount Kenia und Kilimanjaro im November 2004, mein Tandemfallschirmsprung, diverse Trainings für Laufbewerbe oder mein Jahr in London Ende der 1990er Jahre – und da waren Situationen, wo ich meine ‘finanzielle Sicherheit’ zum Zwecke der persönlichen Weiterentwicklung für eine gewisse Zeit aufgab – diese Art der Herausforderung ist für mich nach wie vor am schwierigsten anzunehmen, weil dies mit viel Risiko und Verzicht verbunden sein kann. Und da sind Situationen, wo du Menschen verlierst, wo vertraute und geliebte Menschen andere Wege gehen und du auf emotionaler Ebene oft plötzlich aus deiner Komfortzone gestoßen wirst.

Mit Sicherheit kann ich für mich sagen, dass ich tatsächlich am meisten für mich gelernt habe, wenn ich aus irgendeinem Grund meine Komfortzone verlassen habe, ob mit oder ohne Absicht. Es entspricht auch meinem Naturell, immer wieder Abenteuer, Neues zu suchen und meine persönlichen Grenzen von Angst und Bequemlichkeit zu überschreiten.

Am Ende bleibt stets die Frage: will ich mich verändern und weiterentwickeln und bin ich bereit, ‘Komfort’ aufzugeben?

“Du kannst deine Berufung nicht in deiner Komfortzone erfüllen”, sagt Johnathan Key.

JU’s 3 Fragen für Juli 2021 lauten:

👉Wo endet deine persönliche Komfortzone und wann hast du Sie bereits verlassen?
👉Die Corona-Pandemie hat uns alle in unseren Komfortzonen überrascht. Wie hast du dies erlebt und was hast du dabei neu erlernt und erfahren?
👉Gibt es ein Erlebnis, eine Veränderung, die du sehr gerne erfahren würdest in Zukunft, wo du ganz sicher deine Komfortzone verlassen müsstest?

👉Johnny Lozovan 🇲🇩🇦🇹

Johnny habe ich durch Volina (👉https://ju-nique.at/en/challenge-accepted-2/) kennengelernt – er ist Architekt und fotografiert leidenschaftlich gern. Als Fotograf habe ich Johnny bereits schätzen gelernt 👏 ich bewundere ihn für sein kreatives, fotografisches Auge sowie für seine einfühlsame Art und sein Talent, anspruchsvolles Design zu schaffen.

👉Karlheinz Benke 🇦🇹🇰🇭

Karlheinz und ich sind einander erstmals am Institut für Geographie an der Uni Wien 1986 begegnet und wir haben in Folge zahlreiche Lehrveranstaltungen gemeinsam besucht und erfolgreich abgeschlossen. Ich bewundere Karlheinz für seine Professionalität, sein Talent wissenschaftlich zu arbeiten, seine Treue und Bescheidenheit, sein Gespür für Musik – er hat mich nicht nur im Studium immer wieder motiviert weiterzumachen, sondern er hat mich auch auf sehr liebevolle Art in die Welt des Jazz eingeführt und mir unheimlich viele MusikerInnen und Musikrichtungen vorgestellt – dafür möchte mich an dieser Stelle herzlichst bedanken. 🎩
Karlheinz liebt es, ‘gute’ Musik zu hören 👉(https://jazzandmorestrangemusic.jimdo.com * https://classicalandmorestrangemusic.jimdo.com), zu wandern und Radzufahren.

👉Christopher Wimmer 🇦🇹

Christopher bin ich bei einem Weekly Long Run begegnet – wir sind laufend in ein sehr interessantes Gespräch gekommen und sind seither auf FB befreundet. Ich schätze seine emphatische und weltoffene Einstellung, seine Expertise im Bereich ‘Bewegung und Sport’ und seine Liebe für Mutter Erde. Christopher ist Sportlehrer und Personaltrainer und liebt Reisen, Kulinarik und Kultur.

👉Johnny Lozovan 🇲🇩🇦🇹

Antwort 1

Wenn ich so nachdenke… die Komfortzone verlasse ich wahrscheinlich, wenn ich eine Aufgabe im Job oder Privat ohne Automatismen erledigen muss. Also wenn ich mit klarem Kopf denken, ohne Musik (bei mir funktioniert das anders nicht) und schnell das erledigen muss. Ich verlasse somit die Komfortzone, weil ich nicht viel nachdenken muss, ohne zu bereuen was passieren könnte. Die Dinge außerhalb der Komfortzone zu erledigen ist eine Sache. Schwieriger finde ich es jedoch die Beziehungen-Komfortzone zu verlassen. Da muss man viel mit sich selbst kämpfen und sich eine Chance geben neue Leute kennenzulernen.

Antwort 2

Ja, die Pandemie hat uns wirklich überrascht. Ich habe mehr Verantwortung auf mich genommen. In solchen Zeiten lernt man wie machtlos sogar die Mächtigen sind: die Chefs, die Regierung etc. Ich habe daraus gelernt, dass man nichts von den anderen erwarten muss, alles muss man selber erledigen können. Keine Presse lesen tut immer gut, ist aber schwierig, weil es sensationell geschrieben wird. Seine eigene Sache konsequent durchzuziehen wäre ideal, sonst landet man in einem Opfer-Orchester.

Antwort 3

Ja, auf jeden Fall – mehr Verantwortung auf den eigenen Schultern tragen. Für etwas „brennen“. Egal ob in Freizeit oder Beruf. In ein fremdes Land umziehen und die neue Kultur kennenlernen und sich dort für ein paar Jahren integrieren lassen. Das wäre ein Erlebnis…

👉Karlheinz Benke 🇦🇹🇰🇭

Antwort 1

Ich merke, dass ich mir persönlich schwer tue damit, eine quasi-generalisierende oder normierende Frage wie diese zu beantworten – eben weil sie (für mich) unterschwellig unterstellt, ein jeder Mensch habe „stets“ ein solche.
Und ich sehe diese Frage zunächst aus beruflicher Perspektive aus (m)einer Sicht als Führungskraft: Hier nehme ich ein „Verlassen sie doch endlich ihre Komfortzone und machen Sie ….!“ von Hierarchie-KollegInnen vor allem als Appell an ihre MitarbeiterInnen wahr, doch (endlich) „mehr“ zu tun, „mehr“ zu geben als bisher. Ein durchaus „sanfter Druck“ auf das (schlechte) Gewissen von MitarbeiterInnen, doch ein „Mehr“ für die Organisation bzw. die Firma herauszuholen, indem man das Gegenüber ebenso „sanft“ zu ebenjenen Weichenstellungen “motiviert“, die von MitarbeiterInnenseite (da persönlich bspw. uninteressant) ohnehin niemals angestrebt wurden – damit jedoch indirekt Druck auszuüben beginnt.

Aus persönlicher wie privater Sicht denke ich, es kommt ganz stark auf den jeweiligen situativen Kontext an, in dem so etwas wie „persönliche Komfortzone“ und ein Verbleib in ihr bzw. ein Verlassen selbiger wirksam wird – sei es aus Gründen von Bequemlichkeiten oder aber auch aus einem gewissen Schutzinstinkt und -bedürfnis sich selbst gegenüber bzw. auch vielleicht sogar einem gewissen „Respekt vor seinen eigenen Un/Fähigkeiten“ (Mann könnte auch sagen: Anerkennung seiner eigenen Kompetenzgrenzen ;-). Jedenfalls erfordert jegliches Hinaustreten aus dieser Zone stets den eigenen Willen dazu.
Vielleicht aber ist es ganz schlicht und es findet sich die „persönliche Komfortzone“ einfach dort, wo das Risiko die Balance gegenüber der persönlichen Sicherheit kippt …

Antwort 2

Im persönlichen Umfeld nehme ich mir mit, wie klein der Kreis an verlässlichen „Gegenübers“ doch (geworden) ist – und zwar im privaten wie beruflichen Umfeld.
Und im Gegenzug dazu, welchen Stellenwert plötzlich der Kommunikation online und auch der Digitalem Beratung zukommt (obwohl die Cousine in Australien geographisch betrachtet nicht näher gerückt und Online/Digitale Beratung ohnehin schon seit knapp 20 Jahren in Österreich etabliert ist 😉).
Also: Einen räumlicher Rückzug auf das Privateste bei gleichzeitig medialen Verdichtungen.
Im gesellschaftlichen Umfeld – war für mich zu beobachten, dass viele Lippenbekenntnisse oft nicht einmal den Gesichtshorizont verlassen haben. Denk- und Handlungssysteme waren und bleiben träge, weshalb nach wie vor viele naheliegende Ideen und Chancen nicht genutzt werden („never change a running system“)… Und es werden weiterhin nur einige wenige von den „Beharrzuständen“ (in) der Komfortzone zulasten vieler profitieren.
Dass nämlich plötzlich – um nur ein Beispiel zu bringen – eAutos, eBikes, eScooter quasi-revolutionär-okologisch und „quasi-grün“ sein sollen – dieser Lerneinsicht verschließt sich meine Komfortzonen-Gedankenwelt beharrlich.

Antwort 3

Nicht dass ich wüsste oder auch nur eine Idee dazu hätte – Triebfeder für eine Verlassen ist meiner Meinung nach stets die individuelle „Neu-Gier“ in den jeweiligen Kontexten (siehe auch Frage 1), die es dazu braucht in weiter gehende persönliche Angstzonen, Lernzonen und Wachstumszonen einzutreten wie auch gleichzeitig „wachsam“ zu bleiben.
Allerdings: Mit Sicherheit aber wäre eine krasse Veränderung ein so einschneidendes Ereignis wie ein Jobverlust o.ä., dass die persönlichen Strukturen destabilisiert und einen dazu zwingt, Alltag(sroutinen) ganz neu zu (über)denken usw.
Aber das wünscht man/frau sich ja nicht …

👉Christopher Wimmer 🇦🇹

Antwort 1 – 3

Durch die Coronapandemie haben sich einerseits Komfortzonen entwickelt und anderseits wurden mir neue Grenzen aufgezeigt. Durch Schließung meines Yoga Studios habe ich in einem Jahr ohne Yoga, nicht die Disziplin aufgebracht in die Qualität der Übungen zu kommen welche ich gewohnt war. Dieser Energieüberschuss wurde zunächst in den Genuss in Form von Kochen für mich und eine Nachbarin investiert. Dies hatte zwar einen wundervollen sozialen Aspekt, dennoch hat es sich auch in Form von Gewichtszunahme und körperlicher Trägheit geäußert. Andererseits hat die Schließung des Yoga Studios auch die Folge, dass ich eine abgeschwächte Variante entwickelt und mit Mediationsübungen bereichert habe. Diese Abfolge habe ich beinahe täglich durchführen können und wollen und ein morgendliches Ritual daraus gestaltet. Manchmal habe ich meine Freundin und Freunde teilhaben lassen, sodass es meine persönliche zoom-Konferenz wurde. Täglich mit knackigen 15 Minuten in den Tag starten. Dies führte zu anderen Dynamiken im Tagesablauf, welche nach langer Faulenzzeit die Motivation in mir entfachten, mein Studium wieder in Angriff zu nehmen und zum Abschluss zu bringen. Somit hat Corona einen Beitrag zur Selbsthilfe geleistet.

#betweenoceans2020