In Zeiten der sich weltweit sehr rasch verbreitenden Videofonie, ausgelöst durch die Corona Pandemie ist wohl fast jedem von uns dieser Moment bekannt, wenn die einzelnen TeilnehmerInnen den virtuellen Raum betreten und ihre Kameras und vor allem Mikrofone kontrollieren: 

“Kannst du mich hören? – Könnt ihr mich hören”, ertönt es dann in den diversen Meetings und Konferenzen. 

“Sicher ist, dass sich die Welt schneller verändert als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit”, schrieb der Financial Times Journalist Philip Stephens schon vor einigen Jahren – die Frage bleibt: 

Wer oder was verändert sich und in welche Richtung? Tatsächlich haben wir während des Shutdowns 2020 erlebt, wie rasch der Prozess der Digitalisierung in unserem Alltag sichtbar und erlebbar wird. 

Erstmals in der Geschichte der Menschheit schickt mit SpaceX ein privates Raumfahrtunternehmen Astronauten zur ISS (International Space Station) – fast zeitgleich kommt es im selben Staat zu Unruhen und Protesten nachdem der unbewaffnete Afroamerikaner George Floyd von Polizisten getötet wurde.

Can you hear me? 

Dies könnte auch als weltweiter Aufschrei aller – nach wie vor – unterdrückten und verfolgten Menschen verstanden werden. Technischer Fortschritt vor Respekt und Menschlichkeit – ist dies die Richtung auf die wir Menschen auf Planet Erde unsere Veränderung ausrichten?

Diese und zwei weitere Fragen werden am 18.6.20 von Andrea Eleonore, Edwin und Helen beantwortet.

Was sind Ihre Antworten auf JU’s 3 Fragen?

JU’S 3 QUESTIONS OF THE MONTH

  • Technischer Fortschritt vor Respekt und Menschlichkeit – ist dies die Richtung, auf die wir Menschen auf Planet Erde derzeit unsere Veränderung ausrichten?
  • Angenommen, du bekommst die Möglichkeit, für einen Monat in einem Team zu arbeiten, das weltweit einflussreiche Menschen inspiriert, berät und motiviert – welche Rolle im Team stünde dir hier am besten und welche Anliegen würdest du dabei einbringen?
  • Wie gelingt es dir in diesen fordernden Zeiten, dich zu erden, beziehungsweise mit dem Spirit der Natur und Mutter Erde zu verbinden?

Für diesen Blogartikel habe ich folgende drei Personen interviewt:

Andrea Eleonore Weller 🇦🇹🇨🇦 – 03.Juni 2020

Andrea Eleonore habe ich im Zuge unserer gemeinsamen Ausbildung zur ‘Spirituellen Heilerin’ 2012 kennengelernt – von Beginn an hatten wir beide einen ‘guten Draht’ zueinander und haben auch begonnen, gelegentlich gemeinsam zu arbeiten. Andrea E. kommt aus Schwechat und ist mit einem Kanadier verheiratet; sie hat Pharmazie studiert, hat eine eigene Praxis als Humanenergetikerin  www.naturpath.at und arbeitet auch als Apothekerin. 

Ich mag an Andrea Eleonore, dass sie in ihrer Wahrnehmung und in ihrem Ausdruck sehr klar und direkt sein kann, ihre Großzügigkeit und ihre Gabe, das ‘große Ganze’ im Fokus zu behalten.

Edwin Thekkinen🇦🇹🇬🇧🇮🇳- 12.Juni 2020

Edwin kenne ich vom sonntäglichen Weekly Long Run www.wemove.at – er ist ein junger Laufkollege, der Biowissenschaften in England studiert hat, Wiener mit südindischen Wurzeln ist und in seiner Freizeit sehr gerne läuft, Karate und Yoga macht. Derzeit arbeitet er im Projektmanagement für eine pharmazeutische Firma.

Edwin begeistert mich mit seinem ‘erfrischenden, positiven Spirit’, seiner Fröhlich- Menschlich- und Leichtigkeit sowie seiner beeindruckenden Fitness.

Helen Dolman 🇬🇧 – 15.Juni 2020

Helen Dolman arbeitet als Managerin in einer Zahnarztpraxis und kommt aus England. Sie liebt Musik, Fußball und verbringt gerne Zeit mit Freunden und in der Natur. Ein anderes Hobby, das sie mit Leidenschaft verfolgt ist ihre Funktion als Wiltshire County Cricket Coach und Manager für die U15 Girls. Im Sommer 1978 war Helen in meinem Heimatort Zell am Pettenfirst, um ihre Brieffreundin (IPF International Pen-Friend) zu besuchen – im Freibad sind wir einander begegnet und ich habe sie gebeten, auch meine Brieffreundin zu werden. Unsere Brief_Freundschaft hat alle technischen Veränderungen überdauert und wir sind nach 42 Jahren immer noch in Herzlichkeit verbunden.

Ich bewundere Helen für ihr herzliches, feines Wesen, ihre Loyalität und Geradlinigkeit.

Andrea Eleonore Weller🇦🇹🇨🇦

Antwort 1

Ich glaube, dass der technische Fortschritt begründet ist durch die Fehleinschätzung bezüglich unseres Menschseins. Wir möchten uns verbessern und über unsere “natürlichen” Grenzen hinausgehen. Besser, schneller, weiter ist die Devise. Bis jetzt leben wir das in der Gesellschaft hauptsächlich nach außen aus und messen und beurteilen nach diesen Kriterien. Erst wenn wir realisieren, dass wir als menschliche Wesen eigentlich schon perfekt sind und uns selbst und unser Gegenüber so respektieren können, können wir auf eine andere Weise wachsen, nämlich gemeinsam ohne uns selbst, andere und die Erde mit all ihren Schätzen auszubeuten.

Antwort 2

Ich habe viel Phantasie und fühle mich im direkten Kontakt mit Menschen und in der Diskussion sehr wohl. Ein großes Anliegen ist mir, Verbindungen herzustellen, Synergien zu erkennen und das große Ganze im Auge zu behalten, damit die behandelten Themen immer im Kontext und auf mehreren Ebenen erkennbar sind. Kurz gesagt, ich liebe es, Dinge auf den Punkt zu bringen. Mein wichtigstes Anliegen ist eine Gesellschaftsform die uns allen (Menschen, Tieren, Pflanzen und anderen Lebensformen) genug Platz bietet, um uns in Sicherheit entfalten zu können, im Ausgleich und Austausch miteinander zu sein.

Antwort 3

Es ist momentan schwieriger als je zuvor sich zu erden, ich glaube, weil wir uns durch die momentanen Strukturen so viel ablenken lassen. Es gibt nur mehr wenig Rückzugsorte. Mir hilft am meisten meine energetische/spirituelle Arbeit. Da bin ich 100 prozentig bei mir, im Moment und in meiner Kraft …oder im Garten. ;-)

Edwin Thekkinen🇦🇹🇬🇧🇮🇳

Antwort 1

In Zeiten von rascher App-Entwicklung, wo es fast für alles eine App gibt, war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Fülle an neuen ‘Werkzeugen’ unser Sozialverhalten auf den Kopf stellen würde. Die ‘Digitale Revolution’: Soziale Medien.  Für viele ist ‘Social Media‘ zum Inbegriff der zwischenmenschlichen Interaktion geworden. Außerdem haben Soziale Medien ihre Wichtigkeit in politisch schwierigen Zeiten gezeigt, da sie in ihrer Funktion als globales Sprachrohr, Menschen die Möglichkeit bieten, ihren Unmut oder ihre Freude zum Ausdruck zu bringen – zu Themen politischer und gesellschaftlicher  Veränderungen wie zum Beispiel dem Arabischen Frühling bis hin zu Rassenungleichheit – „Black Lives Matter“. 

Ja, die Technologie wird sich rasch weiterentwickeln und ja, sie wird nicht immer zum gemeinsamen Wohl eingesetzt werden. Allerdings sind wir es, die Menschen, die in unserem Streben nach Glück der Technologie zugrunde liegen. Und solange wir uns gegenseitig helfen wollen, werden wir eine positive Zukunft vor uns haben.

Antwort 2

Ich wäre gerne ein Vermittler zwischen der Regierung und den politischen Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Produktion. Ich bin zwar kein Experte, aber ich habe einige Kenntnisse in der Landwirtschaft. Letztens habe ich mich entschlossen, Vegetarier zu werden, um meinen Beitrag zum Zeitalter der pflanzlichen Ernährung zu leisten. Meiner Meinung nach werden Fleischalternativen immer mehr an Beliebtheit erlangen. Es wäre großartig, Lebensmittelsubventionen zu haben, um derzeit privatisierte Hersteller von Fleischersatzprodukten wie Beyond Meat, Quorn und Impossible Foods zu unterstützen. Es geht nicht darum, ob diese Produkte Fleisch ersetzen können – das passiert schon gerade, sondern es geht viel mehr darum, wie man diese Produkte KonsumentInnen näherbringen kann. 10 Stück Burger-Patties von Beyond Meat sind derzeit in Wien um nur €37,- erhältlich. Für diejenigen, die sie noch nicht kennen: Die Patties schmecken und sehen genauso aus wie Rindfleisch-Patties, sie bestehen aber ausschließlich aus Kichererbsenprotein. Ausgezeichnet und innovativ!

Antwort 3

Durch Laufen und mit Yoga. Mit der Zeit habe ich den Akt des Laufens lieben gelernt. Ich laufe regelmäßig, meistens alleine und ohne Musik. Es bringt mich zum Nachdenken und beruhigt mich. Es wirkt auch ‘erfrischend’. Anschließend eine Yoga-Stunde und schon hat man ein komplettes Paket an Lebensfreude und innerer Zufriedenheit.

Helen Dolman 🇬🇧

Antwort 1

Schwierige Frage! Hier fühle ich mich ein wenig überfragt. Als Idealistin finde ich, dass technischer Fortschritt, Respekt und Menschlichkeit erfolgreich koexistieren sollen und auch könnten. Sicher wäre eine bereichernde Beziehung möglich, wenn man einander gegenseitig mit Respekt und Empathie begegnet. Technischer Fortschritt und Menschlichkeit müssen einander nicht unbedingt diametral entgegenstehen. Ich finde, die beiden können und sollten erfolgreich koexistieren. Allerdings sehe ich ein, dass meinen Ansichten der Idealfall zugrunde liegt – wo es doch in unserer schnell verändernden Welt manchmal besser wäre, realistisch zu bleiben. 

Technologischer und wirtschaftlicher Fortschritt können und haben oft einen negativen Einfluss auf die Natur. Nachhaltige Energiequellen müssen daher gefördert werden, allerdings mit Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten. Leider habe ich das Gefühl, dass lokale und nationale Politik diese Entwicklungen nicht nur positiv beeinflussen, was weltweit für uns alle sichtbar wird.

Antwort 2

Ich wäre die Projektmanagerin! Hoffentlich wäre meine Fähigkeit, sowohl Menschen als auch Aufgaben zu organisieren, nützlich und vorteilhaft für das Team. Menschen zusammenzubringen, damit sie zum Wohle aller zusammenarbeiten – dies würde mich glücklich machen. Ich wünschte, dass ich mich von den erfolgreichen und einflussreichen Personen nicht zu tief beeindrucken lassen würde und das Projekt dem Zeitplan und Budget gemäß zu einem zufriedenstellenden Abschluss bringen könnte. 

Meine Bedenken wären, dass sich die Menschen nicht auf das gemeinsame Ziel einlassen und möglicherweise ihre eigenen Vorstellungen zu sehr verfolgen wollten; für die Projektmanagerin erforderte dies selbstverständlich viel Verständnis für die Bedürfnisse aller Beteiligten.

Ich bin überzeugt, dass dies möglich ist :-)

Antwort 3

Es waren herausfordernde Zeiten für alle Menschen in unserer schönen Welt. Ich schwankte zwischen dem Glauben, dass am Ende alles gut sein wird, und einer tieferen Angst auf persönlicher Ebene und allgemein. Ich war gerade erst von einem Cricket-Turnier in Indien zurückgekehrt, als COVID-19 die Welt wie ein Vergeltungsschlag traf. Meine Erfahrungen in Indien hatten mich zutiefst berührt – sowohl positiv als auch negativ – und ich war anfangs noch überwältigt von der Sorge um das Land und die Menschen dort.

Ich konnte den Lockdown mit Beschäftigungstherapie verkraften: Ich habe festgestellt, dass wenn mein Körper und mein Geist im Einklang sind, ich leichter mit Stress umgehen kann. Sport habe ich im Lockdown sehr vermisst. Normalerweise wäre ich an mindestens 3 oder 4 Tagen oder Abenden pro Woche auf die eine oder andere Art mit Cricket oder Fußball beschäftigt gewesen. Ich war jedoch sehr dankbar, dass ich meinen Kleingarten relativ in der Nähe habe. Dort habe ich mehr Zeit als je zuvor verbracht und das hat mir sehr gut getan. Das Erlebnis, Pflanzen zu ziehen und sie gedeihen zu sehen, war ein großer Trost. Ich habe mir auch jeden Tag Zeit genommen, frisch zu kochen und zu backen, was mich sehr entspannte. 

Zudem habe ich für ältere Verwandte eingekauft: Ein schönes Gefühl, das uns näher gebracht hat. Ich habe auch Zeit gehabt, spazieren zu gehen, wenn ich nicht gearbeitet habe. Ich bin dankbar dafür, dass ich das Glück habe, am Land zu leben. Das war ein großer Segen und eine Quelle inneren Friedens. Ich habe mir auch Podcasts – hauptsächlich Sport-Podcasts – angehört. Normalerweise habe ich dafür keine Zeit, also habe ich das sehr genossen. 

Alles in allem war es zwar schwierig, aber es gab auch Bereiche, die sich positiv ausgewirkt haben.  Die Chance zum Nachdenken war ebenfalls positiv.  Ich werde versuchen, nicht in alte Gewohnheiten zurückzufallen, während die Welt langsam zur Normalität zurückkehrt.

#BetweenOceans2020